Man muss nicht alles auf einmal ändern
Digitale Souveränität klingt schnell nach einem großen Projekt: neues Betriebssystem, andere Cloud, neuer Messenger, neue Dienste – und am besten noch alles gleichzeitig.
Das muss nicht sein.
Vielleicht beginnt digitale Souveränität viel unspektakulärer.
Mit einer neuen E-Mail-Adresse.
Wer seit zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren dieselbe Adresse bei Gmail, Outlook, GMX oder einem anderen großen Anbieter verwendet, hat damit meist unzählige Konten, Newsletter, Shops und Dienste verbunden. Ein kompletter Wechsel an einem Wochenende wäre nicht nur unbequem, sondern wahrscheinlich auch unnötig.
Der bessere Weg kann sein: Schritt für Schritt umziehen.
Eine neue Adresse bei einem datenschutzorientierten Anbieter wie Tuta Mail – erreichbar unter tuta.io – kann dafür ein guter Ausgangspunkt sein.
Das alte Postfach darf bleiben
Eine neue Mailadresse bedeutet nicht, dass die alte am nächsten Tag abgeschaltet werden muss.
Im Gegenteil.
Das alte Konto kann zunächst weiterlaufen. Sobald eine wichtige E-Mail eingeht, stellt man sich einfach die Frage:
Brauche ich diesen Dienst noch?
Wenn ja, wird dort die neue Adresse hinterlegt.
Wenn nein, wird das Konto gelöscht oder der Newsletter abbestellt.
So entsteht mit der Zeit etwas, das viele von uns vermutlich seit Jahren vor sich herschieben:
ein aufgeräumtes digitales Postfach.
Bank, Versicherung, Behörden, Familie oder andere wichtige Kontakte können nach und nach auf die neue Adresse umgestellt werden. Bei Online-Shops, sozialen Netzwerken und alten Benutzerkonten kann gleichzeitig entschieden werden, ob diese überhaupt noch benötigt werden.
Der Wechsel wird damit nicht zum radikalen Schnitt, sondern zu einem Prozess.
Und genau das macht ihn alltagstauglich.
Warum Tuta Mail?
Tuta ist ein deutscher E-Mail-Anbieter mit Sitz in Hannover und verfolgt einen deutlich anderen Ansatz als viele klassische kostenlose Maildienste.
Der Dienst konzentriert sich auf Datenschutz, Verschlüsselung und möglichst geringe Abhängigkeit von Big Tech.
Die Daten werden nach Angaben von Tuta auf eigenen Servern in ISO-27001-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland gespeichert. (tuta.io)
Verschlüsselung gehört zum Konzept
Tuta verschlüsselt nicht nur E-Mails, sondern integriert auch verschlüsselte Kontakte und Kalender. Nachrichten zwischen Tuta-Nutzern werden automatisch Ende-zu-Ende verschlüsselt. Für vertrauliche Kommunikation mit externen Empfängern bietet Tuta ebenfalls eine verschlüsselte Kommunikation über ein gemeinsames Passwort an. (tuta.io)
Tuta setzt inzwischen zudem auf Post-Quantum-Kryptografie, also Verschlüsselungsverfahren, die auch im Hinblick auf zukünftige Angriffe durch leistungsfähige Quantencomputer entwickelt wurden. (tuta.io)
Das bedeutet nicht, dass plötzlich jede normale E-Mail im weltweiten Mailsystem automatisch vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt wäre. Kommuniziert man mit klassischen externen Mailservern, gelten weiterhin die technischen Grenzen des gewöhnlichen E-Mail-Systems.
Aber Tuta versucht, innerhalb des eigenen Systems und bei der Speicherung möglichst viele Informationen verschlüsselt zu halten.
Open Source statt Blackbox
Ein weiterer interessanter Punkt für digitale Souveränität:
Die Tuta-Clients sind Open Source. Der Quellcode kann damit grundsätzlich öffentlich geprüft werden, anstatt dass man ausschließlich den Aussagen eines Herstellers vertrauen muss. Tuta führt vollständig quelloffene Clients ausdrücklich als Bestandteil seines Angebots. (tuta.io)
Das allein garantiert natürlich keine perfekte Sicherheit.
Aber Transparenz ist ein wichtiger Baustein.
Gerade bei Software, der wir täglich private Kommunikation anvertrauen.
Keine App? Kein Problem.
Ein Punkt, den ich besonders wichtig finde:
Tuta benötigt nicht zwingend eine App.
Das Postfach kann ganz normal über einen aktuellen Webbrowser geöffnet werden. Tuta stellt dafür einen eigenen Webmail-Client bereit. Daneben gibt es Apps für Mobilgeräte sowie Desktop-Clients für Linux, Windows und macOS. (Tuta Webmail)
Damit lässt sich Tuta beispielsweise auch auf einem Rechner nutzen, auf dem man keine zusätzliche Software installieren möchte.
Browser öffnen.
Einloggen.
E-Mails lesen.
Eigentlich genau so, wie Webmail sein sollte.
Keine Werbung und kein Tracking als Geschäftsmodell
Tuta positioniert seinen Maildienst ausdrücklich ohne Werbetracking und bietet auch einen kostenlosen Einstieg an. Nach eigenen Angaben wird der Dienst nicht dadurch finanziert, dass Benutzerprofile für personalisierte Werbung erstellt werden. (tuta.io)
Das ist ein wesentlicher Unterschied in der Denkweise.
Denn eine kostenlose E-Mail-Adresse kann auf zwei sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen beruhen:
Entweder der Dienst wird über Werbung, Datenanalyse und ein großes angeschlossenes Ökosystem finanziert.
Oder ein Anbieter versucht, einen Basisdienst kostenlos anzubieten und zusätzliche Funktionen über kostenpflichtige Tarife zu finanzieren.
Für digitale Souveränität ist diese Frage mindestens genauso interessant wie die technische Ausstattung eines Mailservers.
Und dann beginnt das Aufräumen
Der eigentliche Vorteil eines neuen Postfachs entsteht möglicherweise erst beim Umzug.
Plötzlich sieht man, wo die alte Adresse überall hinterlegt wurde.
Newsletter eines Shops, bei dem man vor sieben Jahren einmal etwas bestellt hat.
Reiseportale.
Gewinnspiele.
Foren.
Onlineshops.
Apps, die längst nicht mehr installiert sind.
Dienste, an deren Registrierung man sich kaum noch erinnern kann.
Statt diese Nachrichten einfach weiterhin jeden Tag zu löschen, kann man sie dauerhaft abbestellen.
Und das ist mehr als nur Ordnung.
Weniger Newsletter, weniger digitaler Müll
Jede unnötig verschickte Nachricht muss erzeugt, übertragen, verarbeitet und zumindest zeitweise gespeichert werden.
Die einzelne E-Mail verursacht dabei natürlich keinen dramatischen Energieverbrauch. Man sollte den ökologischen Effekt einer einzelnen Newsletter-Abmeldung nicht überhöhen.
Aber das Prinzip bleibt richtig:
Daten, die gar nicht erst erzeugt und übertragen werden, benötigen auch keine Infrastruktur zur Verarbeitung.
Und vielleicht ist genau das eine interessante Nebenwirkung digitaler Souveränität.
Man reduziert nicht nur die Zahl der Unternehmen, bei denen die eigene E-Mail-Adresse herumliegt.
Man reduziert gleichzeitig einen kleinen Teil des digitalen Mülls, der sich über Jahre angesammelt hat.
Tuta selbst gibt an, seine Server vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien zu betreiben. (tuta.io)
Der Wechsel darf Monate dauern
Vielleicht läuft das alte Mailkonto noch ein Jahr parallel.
Na und?
Digitale Souveränität ist kein Wettbewerb.
Es gibt keinen Preis dafür, Gmail am schnellsten zu löschen oder innerhalb eines Wochenendes sämtliche Onlinekonten umzuziehen.
Viel wichtiger ist, überhaupt damit anzufangen.
Eine neue Mailadresse anlegen.
Die ersten wichtigen Kontakte darüber laufen lassen.
Beim nächsten Newsletter entscheiden:
Behalten, umziehen oder abbestellen?
Beim nächsten alten Benutzerkonto:
Brauche ich das eigentlich noch?
Und plötzlich wird aus einer neuen E-Mail-Adresse etwas anderes.
Eine kleine Inventur des eigenen digitalen Lebens.
NoData // Souveränitätscheck
Abhängigkeit von Big Tech: gering
Serverstandort: Deutschland (tuta.io)
Open Source: Tuta-Clients sind quelloffen. (tuta.io)
Verschlüsselung: starker Fokus auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und verschlüsselte Speicherung; automatische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung insbesondere innerhalb des Tuta-Systems. (tuta.io)
Tracking/Werbung: Tuta wirbt mit einem werbe- und trackingfreien Ansatz. (tuta.io)
Browser/Webmail: ja – eine App ist nicht zwingend erforderlich. (Tuta Webmail)
Mobile und Desktop: Apps beziehungsweise Clients für Android, iOS, Windows, Linux und macOS stehen zur Verfügung. (tuta.io)
Nachhaltigkeit: laut Tuta werden die eigenen Server mit 100 Prozent erneuerbarer Energie betrieben. (tuta.io)
Fazit
Tuta macht einen nicht über Nacht digital souverän.
Aber vielleicht ist genau das die falsche Erwartung.
Digitale Souveränität entsteht nicht dadurch, dass wir von heute auf morgen unser komplettes digitales Leben löschen.
Sie beginnt dort, wo wir wieder selbst entscheiden:
Welche Dienste brauche ich?
Wem gebe ich meine Daten?
Welche Konten möchte ich behalten?
Welche Abhängigkeiten kann ich reduzieren?
Und welche Dinge können einfach weg?
Eine neue E-Mail-Adresse kann dafür ein erstaunlich guter Anfang sein.
Nicht alles auf einmal.
Aber anfangen.
Quellen
Tuta – Verschlüsselung
Informationen zu Verschlüsselung, Datenschutz, Kalender und Kontakten.
https://tuta.io/encryption
Tuta – Security
Informationen zum Sicherheitskonzept, Open Source und Tracking.
https://tuta.io/security
Tuta – Preise & Funktionen
Übersicht über Funktionen, Open-Source-Clients, Verschlüsselung und Serverstandort.
https://tuta.io/pricing
Tuta – Nachhaltigkeit
Angaben zur Nutzung erneuerbarer Energie für die Serverinfrastruktur.
https://tuta.io/sustainability
Tuta – Webmail / Login
Browserbasierter Zugriff auf Tuta Mail.
https://app.tuta.com/