Passwörter gehören wahrscheinlich zu den sensibelsten Daten unseres digitalen Lebens.
E-Mail-Konten, Onlineshops, Foren, soziale Netzwerke, Server, Banking oder andere Dienste – irgendwann sammelt sich eine erstaunliche Anzahl an Zugangsdaten an. Ein Passwortmanager ist deshalb sinnvoll. Doch nicht jeder Passwortmanager muss seine Daten automatisch bei einem Anbieter in der Cloud speichern.
Man kann es auch etwas anders machen.
Etwas unbequemer vielleicht.
Aber dafür mit einem Stück mehr Kontrolle.
Die Passwortdatenbank bleibt bei dir
Eine Möglichkeit dafür ist KeePassXC.
KeePassXC ist ein freier und quelloffener Passwortmanager für Windows, Linux und macOS. Die Zugangsdaten werden in einer verschlüsselten Datenbank gespeichert, die als Datei auf dem eigenen Rechner liegen kann. KeePassXC selbst benötigt keinen Cloud-Dienst, um diese Datenbank zu verwalten.
Das Entscheidende dabei ist für mich nicht nur die Verschlüsselung.
Es ist die Tatsache, dass diese Datei mir gehört.
Ich entscheide, wo sie liegt.
Auf meinem Rechner.
Auf einer externen Sicherung.
Auf meinem Smartphone.
Oder – wenn ich es möchte – natürlich auch bei einem Cloud-Anbieter.
KeePassXC verhindert die Cloud nicht. Die verschlüsselte Datenbank kann problemlos in einem synchronisierten Ordner gespeichert werden.
Aber man muss es eben nicht.
Und genau dieser kleine Unterschied gefällt mir.
PC und Smartphone – dieselbe Datenbank
Unter Android kann beispielsweise KeePassDX verwendet werden. Die App arbeitet ebenfalls mit KeePass-Datenbanken und kann diese lokal auf dem Smartphone verwalten. Eine Internetverbindung ist dafür grundsätzlich nicht erforderlich.
Auch unter iOS gibt es Anwendungen, die mit diesem Datenbankformat umgehen können. Ein Beispiel ist KeePassium, das mit KeePass- beziehungsweise KeePassXC-Datenbanken kompatibel ist.
Damit entsteht ein ziemlich einfaches Prinzip:
Eine verschlüsselte Passwortdatenbank – mehrere eigene Geräte.
Der Rechner zu Hause und das Smartphone oder Tablet unterwegs können auf dem gleichen Datenbestand arbeiten.
Bleibt nur eine Frage:
Wie bekommt man die aktuelle Datenbank von einem Gerät auf das andere?
Natürlich geht das über die Cloud
Die bequemste Lösung wäre wahrscheinlich wieder ein Cloud-Speicher.
Datenbank in einen synchronisierten Ordner legen und fertig.
Und weil die KeePass-Datenbank selbst verschlüsselt ist, liegt dort nicht einfach eine offen lesbare Liste sämtlicher Passwörter. Trotzdem gibt man die Datei und deren Speicherung wieder in eine Infrastruktur außerhalb der eigenen Geräte.
Das kann man machen.
Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht behaupten, dass diese Lösung grundsätzlich schlecht ist.
Für mich geht es bei digitaler Souveränität vielmehr um eine andere Frage:
Brauche ich diesen externen Dienst überhaupt?
Muss es deshalb gleich die eigene Cloud sein?
Jetzt könnte man natürlich sagen:
Dann eben eine eigene Nextcloud zu Hause.
Auch das ist ein Weg.
Aber digitale Souveränität bedeutet für mich nicht, dass ich jeden nur denkbaren Dienst selbst hosten muss.
Ich selbst bin beispielsweise kein großer Freund von Nextcloud oder vergleichbaren Lösungen wie OpenCloud. Nicht weil solche Projekte grundsätzlich schlecht wären, sondern weil sich für mich persönlich das Verhältnis zwischen Nutzen, Einrichtung, Pflege und Wartung nicht ergibt.
Ein eigener Dienst muss aktualisiert werden.
Er muss gepflegt werden.
Backups müssen funktionieren.
Und irgendwann betreibt man möglicherweise eine komplette Infrastruktur, nur um eine einzige kleine Passwortdatei von A nach B zu bekommen.
Das brauche ich für meinen Anwendungsfall nicht.
Ich mache es einfacher
Meine Lösung ist erheblich unspektakulärer:
Kabel.
Ja – tatsächlich.
Die aktuelle Passwortdatenbank lässt sich einfach auf das Smartphone oder Tablet übertragen.
Nicht automatisch.
Nicht besonders elegant.
Nicht vollkommen bequem.
Aber kontrollierbar.
Und manchmal ist genau diese kleine zusätzliche Handlung gar nicht schlecht. Sie erinnert einen daran, dass diese Datei wichtig ist und gepflegt werden sollte.
Eine zweite Möglichkeit ist bei mir Syncthing beziehungsweise Syncthing-Fork auf Android.
Syncthing synchronisiert Dateien direkt zwischen den eingerichteten Geräten. Die Dateien müssen dafür nicht erst dauerhaft in einem zentralen Cloud-Speicher abgelegt werden. Wenn die entsprechenden Geräte erreichbar sind, können Änderungen zwischen ihnen übertragen werden.
Für Android existiert mit Syncthing-Fork eine entsprechende Android-Umsetzung beziehungsweise ein Wrapper mit Android-Oberfläche.
Damit lässt sich auch eine KeePass-Datenbank zwischen den eigenen Geräten synchron halten.
Ohne Dropbox.
Ohne Google Drive.
Ohne OneDrive.
Und ohne dafür gleich einen eigenen Cloud-Server betreiben zu müssen.
Ein wenig unbequemer
Das ist vielleicht der entscheidende Punkt.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass alles automatisch synchronisiert wird.
Neues Smartphone?
Anmelden.
Cloud verbinden.
Fertig.
Diese Bequemlichkeit ist faszinierend. Aber sie sorgt gleichzeitig dafür, dass wir immer weniger darüber nachdenken, wo unsere Daten eigentlich liegen und wer die notwendige Infrastruktur kontrolliert.
Eine lokale Passwortdatenbank verlangt ein wenig mehr Eigenverantwortung.
Man muss sich Gedanken über die Synchronisation machen.
Man sollte Sicherungskopien besitzen.
Und man sollte natürlich ein starkes Master-Passwort verwenden.
Außerdem ist wichtig: Synchronisation ersetzt kein Backup. Wird eine Datei versehentlich gelöscht oder beschädigt und diese Änderung synchronisiert, kann sich genau dieser Fehler ebenfalls auf andere Geräte übertragen.
Ein zusätzliches, getrennt aufbewahrtes Backup der Passwortdatenbank gehört deshalb für mich dazu.
NoData // Souveränitätscheck
Digitale Souveränität muss nicht mit einem eigenen Serverrack im Keller beginnen.
Manchmal ist es nur eine Datei.
Eine verschlüsselte Datei mit den eigenen Passwörtern.
KeePassXC auf dem Rechner.
KeePassDX auf Android oder eine kompatible Anwendung wie KeePassium auf iOS.
Dazu eine bewusst gewählte Methode, diese Datenbank zwischen den eigenen Geräten aktuell zu halten.
Vielleicht über die Cloud.
Vielleicht über Syncthing.
Oder ganz altmodisch über ein Kabel.
Es muss nicht immer die technisch beeindruckendste Lösung sein.
Die beste Lösung ist manchmal diejenige, die man selbst versteht, kontrollieren und dauerhaft pflegen kann.
Und wenn meine Passwortdatenbank am Ende nur auf meinen eigenen Geräten und meinen eigenen Sicherungen liegt, ist das vielleicht nur ein kleiner Schritt.
Aber eben wieder ein kleines Stück:
NoData.ForSale.
Quellen
KeePassXC – offizielle Projektseite:
https://keepassxc.org/KeePassXC – Dokumentation:
https://keepassxc.org/docs/KeePassDX – offizielle Projektseite:
https://www.keepassdx.com/KeePassDX – Quellcode:
https://github.com/Kunzisoft/KeePassDXKeePassium – KeePass-App für iOS und macOS:
https://keepassium.com/Syncthing – offizielle Projektseite:
https://syncthing.net/Syncthing – Dokumentation:
https://docs.syncthing.net/Syncthing-Fork für Android:
https://github.com/researchxxl/syncthing-androidSyncthing-Fork bei F-Droid:
https://f-droid.org/packages/com.github.catfriend1.syncthingfork/Nextcloud:
https://nextcloud.com/OpenCloud:
https://opencloud.eu/