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Mecklenburg-Vorpommern zieht nach: Nextcloud statt Microsoft SharePoint

STATUS // UMSETZUNG LÄUFT

Mecklenburg-Vorpommern macht bei digitaler Souveränität einen weiteren konkreten Schritt: Die Landesverwaltung setzt für ihre digitale Zusammenarbeit zunehmend auf Nextcloud und ersetzt damit schrittweise Microsoft SharePoint.

Das Interessante daran ist weniger die Ankündigung als der Stand der Umsetzung: Rund 5.000 Beschäftigte nutzen die neue Plattform bereits. Mittelfristig soll sie für mehr als 50.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung stehen – einschließlich kommunaler Einrichtungen.

Nicht nur eine andere Cloud

Ein Wechsel von einem Produkt zum nächsten macht eine Verwaltung noch nicht automatisch digital souverän.

Bei Mecklenburg-Vorpommern steckt deshalb ein wichtiges Detail in der technischen Umsetzung: Verantwortlich für Aufbau und Betrieb ist die DVZ M-V GmbH, der landeseigene IT-Dienstleister. Die Plattform läuft auf eigener Infrastruktur.

Damit werden die Daten der Kollaborationsplattform nicht einfach von einer US-Cloud in die nächste verschoben.

Die Verwaltung erhält wesentlich mehr Kontrolle darüber, wo die Daten liegen, wie die Plattform betrieben wird und welche Software die Grundlage dafür bildet.

Und genau hier beginnt digitale Souveränität interessant zu werden.

Open Source statt Herstellerbindung

Nextcloud ist Open Source. Der Quellcode kann eingesehen werden und die Software lässt sich grundsätzlich unabhängig vom ursprünglichen Anbieter betreiben und weiterentwickeln.

Das unterscheidet diesen Ansatz deutlich von proprietären Cloud-Plattformen, bei denen Software, Infrastruktur, Benutzerkonten, Schnittstellen und teilweise sogar die eigenen Arbeitsabläufe immer enger an einen bestimmten Hersteller gebunden werden können.

Der Wechsel bedeutet allerdings nicht, dass Mecklenburg-Vorpommern plötzlich vollständig unabhängig von Microsoft wäre.

Das wäre eine zu einfache Darstellung.

Ein kurzfristiger Austausch der weiterhin eingesetzten Windows-Systeme durch Linux ist derzeit beispielsweise nicht vorgesehen. Mecklenburg-Vorpommern geht damit einen schrittweisen Weg: Zunächst werden einzelne Dienste und Plattformen dort ersetzt, wo eine souveränere Alternative sinnvoll eingesetzt werden kann.

Vielleicht ist genau dieser Ansatz realistischer als der Versuch, eine komplette IT-Landschaft über Nacht auszutauschen.

Schleswig-Holstein bekommt Gesellschaft

Interessant ist außerdem, dass Mecklenburg-Vorpommern diesen Weg nicht isoliert geht.

Das Land arbeitet bei Fragen der digitalen Souveränität mit Schleswig-Holstein zusammen – jenem Bundesland, das bei der Ablösung proprietärer Verwaltungssoftware derzeit besonders weit geht.

Damit könnte etwas entstehen, das für die öffentliche Verwaltung wesentlich wichtiger ist als ein einzelnes Open-Source-Projekt:

gemeinsame Strukturen.

Wenn Bundesländer Lösungen gemeinsam entwickeln, Erfahrungen austauschen und kompatible Infrastrukturen schaffen, muss nicht jede Verwaltung wieder von vorne beginnen.

Open Source bietet dafür eine wichtige Voraussetzung: Eine einmal mit öffentlichen Mitteln entwickelte oder angepasste Lösung kann prinzipiell auch von anderen öffentlichen Stellen genutzt und weiterentwickelt werden.

NoData // Souveränitätscheck

  • Open Source: Ja
  • Bereits im Einsatz: Ja
  • Aktuell etwa: 5.000 Beschäftigte
  • Geplanter Ausbau: mehr als 50.000 Beschäftigte
  • Betrieb: DVZ M-V GmbH
  • Infrastruktur: unter eigener Kontrolle
  • US-Cloud-Abhängigkeit dieser Plattform: deutlich reduziert
  • Kompletter Microsoft-Ausstieg: Nein
  • Bewertung: Substanzieller Schritt statt reiner Ankündigung

NoData.ForSale // Einordnung

Der Schritt Mecklenburg-Vorpommerns ist bemerkenswert, gerade weil er nicht als vollständiger Bruch mit Microsoft verkauft werden sollte.

Microsoft verschwindet dadurch nicht aus der Landesverwaltung.

Aber genau das macht diese Entwicklung interessant.

Digitale Souveränität muss nicht bedeuten, morgen sämtliche Computer auszutauschen und jede proprietäre Anwendung abzuschalten. Sie kann damit beginnen, einzelne kritische Abhängigkeiten zu identifizieren und dort Alternativen aufzubauen.

Dateispeicherung und Kollaboration sind dafür ein guter Anfang.

Und wenn aus zunächst 5.000 Nutzern tatsächlich mehr als 50.000 werden, reden wir nicht mehr über einen kleinen Open-Source-Test in irgendeiner Behörde.

Dann reden wir über Infrastruktur.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Hat Mecklenburg-Vorpommern Microsoft abgeschafft?“

Das hat es nicht.

Die interessantere Frage lautet:

„Welche Abhängigkeit wird als Nächstes ersetzt?“

Genau das werden wir beobachten.


Quellen // Transparenz

Primärquelle

Ministerium für Finanzen und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern
„Auf dem Weg zur Digitalen Souveränität: Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Open Source“
03.07.2026

Quelle öffnen – Regierung Mecklenburg-Vorpommern

Ergänzende Berichterstattung

ZEIT ONLINE / dpa
„Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet sich von Microsoft“
03.07.2026

Quelle öffnen – ZEIT ONLINE

Redaktionelle Einordnung

Bewertungen zur digitalen Souveränität, Herstellerabhängigkeit und Bedeutung der Entwicklung stammen von NoData.ForSale.