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Inspiration // Tom-Oliver Regenauer

Warum seine Arbeit für NoData.ForSale ein Anstoß ist, selbst hinzusehen und digitale Souveränität bewusster zu leben.

NoData.ForSale · Inspiration · Persönliche Einordnung

Keine Anleitung. Kein Dogma. Ein Anstoß, selbst hinzusehen.

Vom Lesen zum Handeln

Manchmal ist es nicht ein einzelner Artikel, ein Buch oder ein Vortrag, der etwas verändert. Es ist die Summe vieler kleiner Gedanken, die irgendwann dazu führt, die eigene Situation zu hinterfragen.

Für mich gehört Tom-Oliver Regenauer zu den Menschen, die diesen Prozess angestoßen und begleitet haben.

Aufmerksam geworden bin ich vor allem durch seine Video-Beiträge und Recherchen rund um Big Tech, Überwachung, Digitalisierung und die zunehmende Abhängigkeit unseres Alltags von wenigen großen Technologieunternehmen. Themen, mit denen ich mich ohnehin beschäftigte – die durch seine Arbeit für mich jedoch noch einmal eine andere Tiefe bekamen.

Regenauer bezeichnet sich selbst als Manager, Autor, Journalist und Produzent. Auf regenauer.press veröffentlicht er umfangreiche Artikel, Gespräche und Recherchen und stellt einen großen Teil seiner Texte auch frei zur Verfügung.

Was mich daran interessiert, ist aber weniger die Person als die dahinterstehende Haltung.

Hinter die Oberfläche schauen

Unsere digitale Welt funktioniert bemerkenswert gut.

Ein neues Smartphone wird eingeschaltet und wenige Minuten später sind Kontakte, Bilder, E-Mails, Kalender, Messenger, Passwörter und Dokumente wieder vorhanden.

Bequem.

Fast schon unsichtbar bequem.

Und genau diese Bequemlichkeit sorgt dafür, dass wir irgendwann vergessen zu fragen, wo diese Daten eigentlich liegen, wer die Infrastruktur kontrolliert und welchen Preis wir für diese Einfachheit bezahlen.

Google, Apple, Microsoft, Meta und andere Plattformanbieter sind längst nicht mehr einfach nur Softwarehersteller.

Sie stellen einen erheblichen Teil der Infrastruktur bereit, auf der unser digitales Leben stattfindet.

Cloudspeicher. Kommunikation. Betriebssysteme. Identitäten. Suchmaschinen. Navigation. Fotos. Dokumente. Kalender. Künstliche Intelligenz.

Wir geben Verantwortung ab – und bekommen Komfort zurück.

Genau diese Mechanismen gehören immer wieder zu den Themen, die Regenauer in seinen Arbeiten aufgreift. Seine Texte beschäftigen sich unter anderem mit Big Data, Überwachungstechnologien, digitaler Identität und Unternehmen wie Palantir.

Für mich entstand daraus irgendwann eine viel einfachere Frage:

Wie viel meines digitalen Lebens kontrolliere ich eigentlich noch selbst?


Erkenntnis allein verändert nichts

Man kann jahrelang über Datenschutz sprechen.

Man kann Dokumentationen anschauen, Bücher lesen und sich darüber aufregen, wie große Plattformen mit unseren Daten umgehen.

Und anschließend das Smartphone entsperren und genauso weitermachen wie vorher.

Das ist vermutlich der bequemste Weg.

Doch irgendwann reicht Wissen allein nicht mehr.

Man muss anfangen zu handeln.

Nicht perfekt.

Nicht radikal.

Und schon gar nicht alles an einem Wochenende.

Schritt für Schritt.

Genau dieser Gedanke ist für mich wichtig geworden.

Denn wer versucht, sich von heute auf morgen vollständig aus den Strukturen von Big Tech zu lösen, wird schnell feststellen, wie tief diese Dienste inzwischen in unseren Alltag integriert sind.

Kontakte liegen in der Cloud.

Fotos liegen in der Cloud.

Dokumente liegen in der Cloud.

Das Smartphone hängt an einem Konto.

Der Fernseher hängt an einem Konto.

Das Auto möchte ein Konto.

Die Software möchte ein Konto.

Und irgendwann benötigt selbst eine verdammte Glühbirne einen Account.

Man hat diese Abhängigkeit meist nicht bewusst gewählt.

Sie ist langsam entstanden.

Deshalb kann auch der Weg zurück nur langsam entstehen.


Zurück bedeutet nicht zurück in die Vergangenheit

Dabei geht es mir keineswegs darum, Technik abzulehnen.

Ich mag Technik.

Ohne diese Begeisterung würde es NoData.ForSale vermutlich überhaupt nicht geben.

Es geht vielmehr darum, wieder unterscheiden zu lernen:

Welche Technik dient mir – und welcher Technik diene inzwischen ich?

Das Analoge bekommt dabei plötzlich einen völlig neuen Wert.

Ein Buch benötigt kein Benutzerkonto.

Ein Notizbuch verlangt keine Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Ein Fotoalbum verändert nicht plötzlich seine Geschäftsbedingungen.

Eine externe Festplatte analysiert nicht, welche Bilder darauf gespeichert sind.

Und ein Brief funktioniert erstaunlicherweise auch ohne Cloud.

Regenauer beschäftigt sich ebenfalls mit dieser Frage. In seinem Text „Futur II“ beschreibt er die Bedeutung physischer Medien und stellt die Frage, was von einer zunehmend digitalen Gesellschaft überhaupt erhalten bleibt. Seine Konsequenz: wichtige Informationen auch analog beziehungsweise auf eigenen Datenträgern sichern – Bücher, Briefe, Fotos, Kalender und externe Datenspeicher.

In einem Gespräch aus dem Jahr 2025 betont er zudem ausdrücklich, wie wichtig ihm analoges Arbeiten ist.

Das ist ein Gedanke, der mich beschäftigt.

Denn vielleicht ist analog heute nicht altmodisch.

Vielleicht ist analog manchmal einfach nur unabhängig.


Digitale Souveränität beginnt nicht mit Software

Heute beschäftigen mich Projekte wie Linux, freie Software, Open-Source-Messenger, alternative Betriebssysteme, eigene Server und Möglichkeiten, Daten wieder unter die eigene Kontrolle zu bringen.

Aber je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr wird mir bewusst:

Digitale Souveränität beginnt nicht mit der Installation eines Programms.

Sie beginnt im Kopf.

Mit einer Entscheidung.

Der Entscheidung, nicht automatisch den bequemsten Weg zu wählen.

Man muss nicht morgen sämtliche Cloud-Dienste kündigen.

Man muss nicht sein Smartphone wegwerfen.

Man muss nicht plötzlich ausschließlich Bargeld verwenden, Briefe schreiben und einen Commodore 64 aus dem Keller holen.

Es reicht zunächst, Fragen zu stellen.

Brauche ich diesen Dienst wirklich?

Wo liegen meine Daten?

Gibt es eine Alternative?

Kann ich diese Daten selbst speichern?

Muss jede Information über einen Konzernserver laufen?

Und vielleicht die wichtigste:

Was passiert, wenn dieser Dienst morgen nicht mehr existiert – oder entscheidet, dass ich ihn nicht mehr benutzen darf?


Inspiration bedeutet nicht Gefolgschaft

Dabei ist mir etwas wichtig.

Jemanden inspirierend zu finden bedeutet für mich nicht, jede Aussage, jede Interpretation oder jede Schlussfolgerung ungeprüft zu übernehmen.

Im Gegenteil.

Genau das wäre wieder das Abgeben eigener Verantwortung.

Die Arbeit von Tom-Oliver Regenauer bringt mich dazu, Themen weiterzuverfolgen, Quellen anzusehen und Zusammenhänge zu hinterfragen.

Man kann zu einzelnen Thesen unterschiedliche Auffassungen haben.

Das gehört dazu.

Entscheidend ist für mich etwas anderes:

wieder neugierig zu werden.

Nachzufragen.

Selbst zu recherchieren.

Und anschließend eigene Entscheidungen zu treffen.

Das ist für mich wesentlich wertvoller als jemand, der mir erklärt, was ich denken soll.


Vom Konsumenten zum Handelnden

Vielleicht ist das letztlich auch eine der Grundlagen von NoData.ForSale.

Diese Webseite soll niemandem vorschreiben, wie er sein digitales Leben führen muss.

Sie soll keine Angst vor Technik erzeugen.

Und sie soll niemanden verurteilen, der WhatsApp benutzt, seine Bilder bei Google speichert oder sein komplettes digitales Leben in einer Cloud organisiert.

Ich habe diese Dienste selbst benutzt.

Teilweise tue ich es noch.

Digitale Unabhängigkeit ist kein Schalter, den man umlegt.

Es ist ein Prozess.

Und dieser Prozess kann manchmal unbequem sein.

Man probiert etwas aus.

Man scheitert.

Man stellt fest, dass eine vermeintliche Alternative doch nicht funktioniert.

Man geht einen Schritt zurück.

Dann zwei nach vorne.

Genau deshalb finde ich Menschen interessant, die nicht ausschließlich über Probleme sprechen, sondern irgendwann anfangen, ihre eigenen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Tom-Oliver Regenauers Texte, Bücher und Beiträge waren und sind für mich dabei eine Inspiration.

Nicht als Anleitung.

Nicht als Dogma.

Sondern als Anstoß.


Vielleicht ist Fortschritt manchmal ein Schritt zurück

Wir haben uns daran gewöhnt, dass alles jederzeit verfügbar sein muss.

Jede Nachricht.

Jedes Foto.

Jedes Dokument.

Jede Unterhaltung.

Überall.

Sofort.

Synchronisiert.

Vielleicht sollten wir uns gelegentlich fragen, ob wir dadurch tatsächlich freier geworden sind.

Oder lediglich abhängiger von einer Infrastruktur, die anderen gehört.

Ich möchte Technik nicht abschaffen.

Ich möchte sie wieder bewusster benutzen.

Daten wieder selbst besitzen.

Dienste hinterfragen.

Alternativen ausprobieren.

Wissen nicht ausschließlich einer Cloud anvertrauen.

Und manchmal vielleicht tatsächlich wieder etwas auf Papier schreiben.

Nicht aus Nostalgie.

Sondern aus Überzeugung.

Denn der Weg zu mehr digitaler Souveränität beginnt nicht damit, alles richtig zu machen.

Er beginnt mit einem einzigen Gedanken:

Ich kann anfangen, etwas zu verändern.

Und dann macht man den ersten Schritt.


Quellen & Weiterführendes


NoData.ForSale // Inspiration

Keine Anleitung. Kein Dogma. Ein Anstoß, selbst hinzusehen.