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Messenger

Kommunikation muss nicht an einem Konzern hängen.

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Messenger – Kommunikation muss nicht an einem Konzern hängen

Messenger gehören inzwischen zu unserem Alltag. Familie, Freunde, Kollegen, Vereine – ein großer Teil unserer Kommunikation läuft über wenige bekannte Apps.

WhatsApp, Facebook Messenger und andere etablierte Dienste sind bequem. Fast jeder hat sie, die Einrichtung dauert Minuten und über Jahre hat sich ein gewaltiges Netzwerk aus Kontakten aufgebaut.

Und genau deshalb ist ein Wechsel nicht immer einfach.

Dabei bedeutet „Closed Source“ nicht automatisch „unsicher“ und „Open Source“ nicht automatisch „perfekt“. Der Unterschied liegt unter anderem in der Kontrolle und Nachprüfbarkeit. Bei quelloffener Software kann der Programmcode öffentlich untersucht werden. Sicherheitsforscher, Entwickler und interessierte Nutzer können nachvollziehen, wie eine Anwendung arbeitet und Schwachstellen entdecken.

Wer sich außerdem weniger Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, mehr Kontrolle über seine Kommunikation oder alternative technische Konzepte wünscht, findet heute einige erstaunlich ausgereifte Messenger.

Ein Wechsel muss dabei kein radikaler Schnitt sein.

Du musst WhatsApp nicht heute löschen, deiner Familie ein Ultimatum stellen und morgen ausschließlich über einen unbekannten Messenger erreichbar sein.

Installiere eine Alternative. Probiere sie aus. Lade vielleicht zwei oder drei Menschen ein.

Mehrere Messenger können problemlos parallel auf einem Smartphone existieren. Vielleicht nutzt du einen zunächst nur mit deinem Partner, einen anderen mit Freunden und WhatsApp weiterhin für Menschen, die noch nicht wechseln möchten.

Datenschutz ist kein Schalter, den man entweder ein- oder ausschaltet.

Es kann ein Weg sein.

Delta Chat

Messenger-Technik auf ungewöhnlichem Fundament

Delta Chat sieht auf den ersten Blick wie ein klassischer Messenger aus, verfolgt technisch jedoch einen ungewöhnlichen Ansatz: Die Kommunikation basiert auf etablierten Internet- und E-Mail-Standards. Für neue Profile werden heute insbesondere sogenannte Chatmail-Relays verwendet.

Nachrichten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen. Delta Chat ist freie und quelloffene Software, unterstützt mehrere Geräte und Profile und funktioniert sowohl auf mobilen Geräten als auch auf Desktop-Systemen. Ein öffentliches Kontaktverzeichnis gibt es nicht – du bestimmst selbst, mit wem du dich verbindest.

Besonders interessant ist Delta Chat für Menschen, die die Idee mögen, Kommunikation auf offenen und bereits existierenden Internetstandards aufzubauen, anstatt ein vollständig abgeschottetes Messenger-System zu verwenden.

Das Projekt arbeitet außerdem kontinuierlich daran, auch die beim Transport sichtbaren Metadaten weiter zu reduzieren. Mit neueren Versionen wurde beispielsweise der Schutz verschiedener Nachrichten-Header deutlich erweitert.

Delta Chat zeigt, dass ein Messenger nicht zwingend ein neues geschlossenes Kommunikationsuniversum erfinden muss.

Session

Eine Identität ohne Telefonnummer

Session setzt bereits bei der Registrierung an einem Punkt an, den viele Messenger als selbstverständlich betrachten:

Du brauchst weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse.

Stattdessen erhältst du eine eigene Account-ID. Nachrichten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und werden über ein dezentrales Netzwerk geleitet. Session verwendet dabei Onion-Routing, um unter anderem die direkte Zuordnung der Netzwerkverbindung zu erschweren. Der Messenger ist Open Source und verzichtet laut Projekt auf klassische Trackingmechanismen.

Das macht Session besonders für Menschen interessant, die einen Messenger nutzen möchten, ohne ihre alltägliche Telefonnummer gleich zur digitalen Identitätskarte zu machen.

Du kannst damit private Gespräche führen, Gruppen verwenden und verschwindende Nachrichten einsetzen.

Session verfolgt damit eine klare Idee:

Für eine Unterhaltung sollte nicht automatisch deine Telefonnummer Teil deiner Identität sein müssen.

Element

Kommunikation auf dem offenen Matrix-Netzwerk

Element ist nicht einfach nur ein Messenger. Die Anwendung basiert auf Matrix, einem offenen Standard für dezentrale Echtzeitkommunikation.

Statt dass zwangsläufig ein Unternehmen das gesamte Netzwerk kontrolliert, können unterschiedliche Matrix-Server miteinander kommunizieren. Nutzer können vorhandene Server verwenden oder eine eigene Infrastruktur betreiben. Element selbst ist Open Source und steht für Smartphones, Desktop-Systeme und den Browser zur Verfügung.

Private Kommunikation kann Ende-zu-Ende verschlüsselt werden; Element setzt diese Verschlüsselung standardmäßig ein. Neben klassischen Einzelchats gibt es Gruppenräume, sogenannte Spaces sowie Sprach- und Videokommunikation.

Element kann deshalb interessant sein, wenn du nicht nur einen Ersatz für einzelne Nachrichten suchst, sondern dir die Idee einer offenen Kommunikationsplattform gefällt.

Ein Server muss dabei nicht zwangsläufig dir selbst gehören. Wer später tiefer einsteigen möchte, kann sich jedoch mit eigenen Matrix-Servern und Selfhosting beschäftigen.

Du kannst klein anfangen – und trotzdem in einem offenen Netzwerk landen.

Briar

Nachrichten auch dann, wenn das Internet nicht mitspielt

Briar verfolgt einen besonders konsequenten Ansatz.

Der Messenger wurde so entwickelt, dass Kommunikation nicht von einem klassischen zentralen Server abhängig sein muss. Kontakte können verschlüsselt über das Internet beziehungsweise Tor kommunizieren – in bestimmten Situationen aber auch direkt über WLAN oder Bluetooth.

Dadurch kann Briar zwischen Geräten in der Nähe sogar funktionieren, wenn keine Internetverbindung verfügbar ist. Nachrichten werden lokal auf dem eigenen Gerät gespeichert und nicht einfach in einer zentralen Cloud abgelegt.

Das Projekt ist freie Open-Source-Software und legt einen deutlichen Schwerpunkt auf Widerstandsfähigkeit gegenüber Überwachung, Netzwerkausfällen und Zensur.

Briar ist damit interessant für Menschen, die sich einmal mit einer Frage beschäftigen möchten, die bei normalen Messengern kaum gestellt wird:

Was passiert mit meiner Kommunikation, wenn die zentrale Infrastruktur plötzlich nicht mehr erreichbar ist?

Briar versucht darauf eine technische Antwort zu geben.

Snikket

Dein eigener kleiner Kommunikationsraum

Snikket basiert auf XMPP, einem offenen und seit vielen Jahren existierenden Kommunikationsstandard.

Das Projekt versucht, die Möglichkeiten von XMPP mit einer Bedienung zu verbinden, die auch Menschen ohne Serverkenntnisse nutzen können. Nachrichten und Anrufe werden verschlüsselt, eine Telefonnummer ist für die Nutzung nicht erforderlich und sowohl die Apps als auch die Serverkomponenten sind Open Source.

Interessant ist insbesondere das Konzept einer eigenen Snikket-Instanz.

Eine Familie, ein Freundeskreis, ein Verein oder eine kleine Organisation kann damit einen eigenen Kommunikationsbereich betreiben. Wer technisch interessiert ist, kann Snikket selbst auf einem Server, VPS oder sogar geeigneter eigener Hardware betreiben. Für Menschen, die keinen Server administrieren möchten, existiert ebenfalls ein gehostetes Angebot.

Dadurch wird aus dem Messenger ein kleines Stück eigene Infrastruktur.

Nicht jeder muss seinen eigenen Server betreiben. Aber es ist gut zu wissen, dass man es könnte.

Du musst nicht sofort wechseln.

Vielleicht liest du diese Seite auf einem Smartphone, auf dem WhatsApp seit zehn Jahren installiert ist.

Vielleicht befinden sich dort Familiengruppen, Arbeitskontakte, alte Freunde und Menschen, denen du niemals erklären möchtest, was ein Matrix-Homeserver oder ein XMPP-Account ist.

Das ist völlig normal.

Der Wechsel zu datenschutzfreundlicherer Kommunikation muss nicht bedeuten, dass du deine bisherigen Messenger sofort löschst.

Installiere beispielsweise Delta Chat, Session, Element, Briar oder Snikket zusätzlich. Suche dir einen Menschen, der neugierig genug ist, es gemeinsam mit dir auszuprobieren.

Schreibt dort eine Woche.

Oder einen Monat.

Vielleicht bleibt es bei diesem einen Kontakt. Vielleicht kommen irgendwann weitere hinzu.

Und irgendwann bemerkst du möglicherweise etwas Interessantes:

Der Messenger, von dem du dachtest, du könntest niemals auf ihn verzichten, wird plötzlich nur noch für wenige Unterhaltungen gebraucht.

Digitale Unabhängigkeit beginnt nicht unbedingt mit dem Löschen einer App.

Manchmal beginnt sie einfach mit der Installation einer zweiten.