Ein Doppelpunkt, eine Klammer, und schon lächelt jemand: :). Wird aus dem Doppelpunkt ein Semikolon, zwinkert er: ;). So wenig kann reichen, um einem geschriebenen Satz ein bisschen Gesicht zu geben.
Ich nutze diese kleinen Textgesichter immer noch gern. Sie gehören zu einer Schreibweise, die schon lange vor den heutigen Emoji-Tastaturen da war. Ein paar Zeichen zwischen den Worten oder am Ende eines Satzes, und der andere bekommt zumindest eine Ahnung davon, wie es gemeint ist.
Weil man beim Lesen keine Stimme hört
Wenn wir miteinander reden, hören wir den Tonfall und sehen vielleicht auch das Grinsen dazu. In einer geschriebenen Nachricht fehlt das. Ein „Na, das hast du ja wieder toll hinbekommen“ kann Lob sein, ein Vorwurf oder eine freundliche Stichelei. Kommt darauf an, wer es sagt und wie.
Ein ;) dahinter kann helfen. Es gibt dem Leser einen kleinen Hinweis: Da zwinkert jemand. Ob der Scherz ankommt, hängt natürlich immer noch von den Menschen und der Situation ab.
Ein Smiley kann einem Satz den Ton geben, den wir beim Lesen nicht hören.
Ein Vorschlag aus dem Jahr 1982
Ein gut dokumentierter Ausgangspunkt dieser digitalen Schreibweise ist der 19. September 1982. An der Carnegie Mellon University in den USA schlug der Informatiker Scott Fahlman auf einem elektronischen Diskussionsbrett vor, scherzhafte Beiträge mit :-) zu kennzeichnen. Man sollte die Zeichen seitlich betrachten. Dann werden aus Doppelpunkt, Bindestrich und Klammer zwei Augen, eine Nase und ein lächelnder Mund.
Im selben Beitrag schlug er :-( für Dinge vor, die ernst gemeint waren. Das ist ein interessantes Detail: Die Bedeutung „traurig“, „verärgert“ oder „unzufrieden“ entwickelte sich daraus erst im Gebrauch.
Die Idee verbreitete sich über die damaligen Computernetze. Weitere Gesichter kamen hinzu, darunter das Zwinkern ;-) und Varianten ohne Nase. Fahlman selbst lässt in seinem Rückblick offen, ob andere Menschen ähnliche Zeichen schon früher verwendet hatten. Sein Beitrag von 1982 ist jedenfalls erhalten und lässt sich heute noch nachlesen.
Smileys, Emoticons oder Emojis?
Die getippten Gesichter heißen Emoticons. Das Wort verbindet „emotion“ und „icon“, also Gefühl und Symbol. Wenn wir hier von früher sprechen, geht es deshalb um die Zeit vor den fertigen Emoji-Gesichtern, die heute auf den Tastaturen unserer Smartphones warten.
Ein Text-Smiley wie :-) setzt sich aus einzelnen Schriftzeichen zusammen. Ein Emoji ist dagegen ein eigenes Bildzeichen. Manche Programme wandeln die getippten Zeichen automatisch in ein kleines Gesicht um. Dann hat man zwar einen Doppelpunkt und eine Klammer geschrieben, sieht aber plötzlich ein Bild.
Mit Nase, ohne Nase – und auch mit Gleichheitszeichen
Die klassische Schreibweise aus Fahlmans Beitrag ist :-). Der Bindestrich sitzt als Nase zwischen Augen und Mund. Bei :) lässt du ihn einfach weg.
Auch :=) lässt sich als lächelndes Gesicht lesen. Hier steht das Gleichheitszeichen an der Stelle der Nase. Es ist eine weitere Variante; die historisch belegte Schreibweise aus dem Beitrag von 1982 verwendet den Bindestrich. Beim Zwinkern funktioniert das gleiche Prinzip: ;-), ;=) oder kurz ;).
Ein verbindliches Alphabet gibt es dafür nicht. Die folgende Auswahl zeigt verbreitete Lesarten. Je nach Gespräch kann ein Gesicht auch anders gemeint sein.
| Mit Nase | Ohne Nase | Häufige Bedeutung |
|---|---|---|
:-) |
:) |
Lächeln, freundlich gemeint |
;-) |
;) |
Zwinkern, Scherz oder eine kleine Anspielung |
:-D |
:D |
Breites Grinsen oder Lachen |
:-( |
:( |
Traurig, enttäuscht oder unzufrieden |
:-P |
:P |
Zunge herausstrecken, neckisch gemeint |
:-O |
:O |
Überrascht oder erstaunt |
:-/ |
:/ |
Skeptisch, unsicher oder nicht begeistert |
:-| |
:| |
Neutraler Blick, manchmal auch sprachlos |
Und im Satz sieht das zum Beispiel so aus:
Danke, das hat geholfen :)Das war natürlich genau so geplant ;)Ich habe den Fehler gefunden :-DNa dann, bis später :=)
Deine Daten. // Deine Entscheidung.
Für ein Textgesicht brauchst du nur die Zeichen deiner Tastatur. Ob du die Nase mitschreibst oder weglässt, kannst du selbst entscheiden. Auch wenn manche Programme daraus lieber gleich ein Bild machen möchten.
Schon die Netiquette-Empfehlungen von 1995 nannten Smileys als Hilfe für den Tonfall einer Nachricht. Sie gaben aber auch zu bedenken, dass ein lächelndes Gesicht einen verletzenden Satz nicht einfach wieder gutmacht. Ein bisschen auf die eigenen Worte achten müssen wir also weiterhin.
Ich werde die kleinen Gesichter jedenfalls weiter gern benutzen. Ein Doppelpunkt und eine Klammer sind schnell getippt, und manchmal passt genau das.
Ich bin eben Nostalgiker ;)
Quellen und Weiterführendes
- Carnegie Mellon University: Scott Fahlmans Originalbeitrag vom 19. September 1982 und die zugehörige Diskussion
- Scott Fahlman: Smiley Lore – persönlicher Rückblick auf Entstehung, Verbreitung und Varianten
- Unicode Consortium: Emoji and Pictographs – Begriffserklärungen zu Emojis und Emoticons
- RFC 1855: Netiquette Guidelines, Oktober 1995 – Abschnitt 2.1.1 zum Tonfall und zum Gebrauch von Smileys
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